UNO-Flüchtlingshilfe

Soforthilfe für Afghanistan

  • Jahr: 2021
  • Fördersumme: 100000
  • Ort: Bonn
  • Förderbereich: Sozialer Zusammenhalt
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Seit Beginn dieser jüngsten Krise hat die UNO-Flüchtlingshilfe (UNHCR) die Notfallvorsorge im Land aktiviert. Sie unterstützt die vertriebenen Afghaninnen und Afghanen mit Notunterkünften, Soforthilfegütern, Nahrung und Gesundheits-, Wasser- sowie Sanitärversorgung. Die Förderung der Deutschen Postcode Lotterie in Höhe von 100.000 Euro unterstützt die lebenswichtige Verteilung von Soforthilfepaketen. Diese enthalten dringend Benötigtes, beispielsweise Decken, Schlafmatten, Wasserkanister und Küchensets.


Peter Ruhenstroth-Bauer ist Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe in Deutschland. Im Interview spricht der 65-jährige Jurist über die katastrophalen Bedingungen für die Menschen vor Ort, die Soforthilfe der Deutschen Postcode Lotterie und eine Situation in Kabul, die ihn besonders bewegt hat.


Seit einigen Wochen kontrollieren die Taliban wieder Afghanistan. Wie bewerten Sie die Situation vor Ort?
Ruhenstroth-Bauer: Das, was sich dort abspielt, ist eine humanitäre Katastrophe. Seit 40 Jahren sind die Menschen Konflikten ausgesetzt. Und in den vergangenen Wochen hat sich die Situation dramatisch zugespitzt. Der Blick vieler richtet sich meist auf Kabul – wir dürfen aber nicht die 3,5 Millionen Binnenflüchtlinge vergessen, die in dem riesigen Land verstreut Schutz suchen. Ein Großteil von ihnen sind Kinder und Frauen, die aus mehreren Gründen dringend auf unsere Unterstützung angewiesen sind.


Welche sind das?
Ruhenstroth-Bauer: Natürlich haben viele Menschen Gewalt erfahren, Hab und Gut verloren und mussten ihre Heimat aufgeben. Zusammen mit der Corona-Pandemie und den klimatischen Voraussetzungen – beispielswiese der Dürre – bilden sie eine gefährliche, gesundheitliche Gemengelage für die Menschen und eine herausfordernde Situation für uns als Hilfsorganisation.


Welche Form der Unterstützung kann die UNO-Flüchtlingshilfe in Afghanistan leisten?
Ruhenstroth-Bauer: Es ist ganz wichtig, dass der UNHCR mit zahlreichen Mitarbeiter*innen im Land ist und unmittelbar helfen kann. Der UNHCR stellt Notunterkünfte und Soforthilfegüter bereit und versorgt die Menschen mit Nahrungsmitteln und baut – dort wo es möglich ist – eine Gesundheits-, Wasser- und Sanitärversorgung auf. Klar ist aber auch: Derzeit stehen nur rund 44 Prozent der dringend benötigten Finanzhilfen in Höhe von 350 Millionen Euro zur Verfügung.


Die Bilder der Zustände am Kabuler Flughafen sind noch präsent. Was bewegt Sie persönlich in Bezug auf die Flüchtlingskrise in Afghanistan besonders?
Ruhenstroth-Bauer: Mich hat das Bild einer Mutter emotional tief bewegt, die ihr Kind in Kabul über einen Stacheldrahtzaun hebt und einer US-Soldatin übergibt. Wie verzweifelt und wie groß muss die Not sein, wenn sie keinen anderen Ausweg sieht, als ihr Kind einem anderen Menschen anzuvertrauen? Die Situation hat sich eingebrannt und mich in meinem Engagement bestärkt. Die Menschen in Afghanistan, nicht nur in Kabul, sondern auch im Rest des Landes, dürfen nicht vergessen werden. Wir möchten dabei helfen, für die Binnenflüchtlinge die Grundversorgung herzustellen und ihnen mit unserer Arbeit eine Perspektive geben.


Sie sprechen das Thema Bildung an?
Ruhenstroth-Bauer: Genau. Bildung spielt auch in Afghanistan eine entscheidende Rolle. Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt auch in diesem Bereich. Natürlich brauchen die Menschen in dieser Situation erst einmal das Notwendigste zum Überleben, also Essen und Trinken und eine funktionierende, hygienische Grundversorgung. Aber ohne eine schulische Bildung erhalten die Menschen keine Perspektive auf ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben. Insbesondere für Kinder, die im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen Traumatisches erlebt haben, ist die Schule ein wohltuender sozialer Schutzraum, der Struktur gibt und in dem sie sich mit Gleichaltrigen austauschen – oder einfach ausgedrückt: leben können.


Wie wichtig ist für Ihre Arbeit die Afghanistan-Soforthilfe der Deutschen Postcode Lotterie in Höhe von 100.000 Euro?
Ruhenstroth-Bauer: Sehr, einerseits können wir lebenswichtige Soforthilfepakete verteilen. Diese bestehen aus Basisgütern wie Decken, Schlafmatten, Wasserkanistern und Küchensets. Finanzielle Förderung ist mitentscheidend, keine Frage. Mindestens genauso bedeutend für mich aber ist, dass die Deutsche Postcode Lotterie dank der Unterstützung ihrer Teilnehmer*innen uns Vertrauen schenkt und zeigt, wie wichtig ihr das zivile Miteinander, die Solidarität und die empathische Zugewandtheit für Menschen ist. Dafür bin ich sehr dankbar. Und in Afghanistan haben wir noch viel zu tun.


Dank ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Nordrhein-Westfalen fördert die Deutsche Postcode Lotterie die UNO-Flüchtlingshilfe mit einer Afghanistan-Soforthilfe von 100.000 Euro.


Das Gespräch führte Nicolas Berthold.

Fotos: @Shaheryar Anjum, @UNHCR

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